Sprachförderung vor der Einschulung

Kinder, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichen, um erfolgreich am Unterricht teilzunehmen, sind nach §54a, Abs. 2 NSchG verpflichtet, ein Jahr vor der Einschulung besondere Sprachfördermaßnahmen in Anspruch zu nehmen.

Die Sprachstandsfeststellung erfolgt mit der Schulanmeldung im Frühjahr des Vorjahres, indem der Schulleiter mit dem Kind ein Gespräch führt. Dabei orientiert sich die Einschätzung des Sprachstandes nicht an der Beherrschung der Normsprache, sondern am Verstehen und Verstandenwerden. Das Kind soll sich verständlich machen und andere verstehen können. Die Kriterien sind eng an den Erfordernissen des Unterrichts orientiert, Diagnosen über eine Sprachentwicklungsverzögerung oder Sprachstörungen können nicht gegeben werden. Der Schulleiter wird möglicherweise aber eine genauere Untersuchung durch geschulte Fachleute anraten. Lässt sich eine eindeutige Entscheidung, ob das Kind Sprachfördermaßnahmen braucht, nicht sofort treffen, hält der Schulleiter zunächst Rücksprache mit dem Kindergarten. Falls auch dann noch Unklarheiten bestehen, wird durch eine Lehrkraft und einer pädagogischen Mitarbeiterin mit Erzieherausbildung im Kindergarten der landesweit einheitlich festgelegte, umfangreiche Test zur Sprachstandsfeststellung durchgeführt.

Die Ergebnisse der Sprachstandsfeststellung teilt die Schule der Landesschulbehörde bis zum 1. Juni mit. Für jedes Kind, das an der Sprachförderung teilnimmt, steht der Schule ein Zusatzbedarf von einer Lehrerstunde zur Verfügung. Die Anzahl der Stunden errechnet sich somit aus der Anzahl der zu fördernden Kinder.
Die Sprachfördermaßnahme findet im Kindergarten statt und wird von einer Lehrkraft der Schule durchgeführt.

Das Niedersächsische Kultusministerium hat Empfehlungen für die vorschulische Sprachförderung erarbeitet, die ein Curriculum enthalten, in dem die inhaltlichen Grundlagen für die Sprachfördermaßnahmen nach verschiedenen Situationsfeldern geordnet sind. Für jedes Situationsfeld, z. B. „Ich und du“, werden Kerninhalte benannt und mögliche Aktivitäten zum Spracherwerb vorgeschlagen. Die unterrichtende Lehrkraft kann sich an diesen Empfehlungen orientieren, ist aber nicht dazu verpflichtet. Wichtig ist, dass die Sprachförderung spielerisch erfolgt. Überwiegend wird dies durch folgende Aktivitäten erreicht: gemeinsames Singen, Reime suchen, Silben sprechen, Geschichten zu Bildern erzählen, Fingerspiele mit Versen, Zungenakrobatik, Wörter mit gleichem Anfangs- oder Endlaut suchen, Sprechspiele (Ich packe meinen Koffer, Ich sehe was, was du...) usw.
Begleitend zur Arbeit mit den Kindern hält die Lehrkraft mindestens einen Elternabend ab und führt Einzelgespräche mit den Erziehungsberechtigten sowie den Erzieherinnen im Kindergarten.

Sprachförderung in der Schule

Sprachförderung bleibt nicht besonderen Kursen oder Unterrichtsstunden vorbehalten, sondern kann und soll überall dort geschehen, wo sprachliche Kommunikation stattfindet. (vergl. Sprachförderung in Kindergarten und Grundschule, Niedersächsisches Kultusministerium, September 2007)

„Wenn Lehrkräfte deutlich und nicht zu schnell sprechen, wenn ihre Äußerungen nicht zu lang sind, tun sie etwas für die Sprachförderung der Kinder. Sich immer wieder zu vergewissern, ob Informationen oder Anweisungen wirklich verstanden wurden, schützt davor, dass Kinder mit eingeschränktem Sprachverständnis überfordert werden. Veranschaulichungen und visuelle Hilfen unterstützen Verständnis und Merkfähigkeit für Sprachliches ebenfalls. Wenn ein neuer Unterrichtsgegenstand eingeführt wird, kann auch der dazugehörige Wortschatz eingeführt oder „aufgefrischt“ werden.“ (Sprachförderung in Kindergarten und Grundschule, September 2007)

Unsicheren Kindern hilft es, wenn sie am Beispiel erfahren, wie man nachfragt oder wie man ein Ergebnis formuliert. Hinweise auf alternative Ausdrucksformen erweitern die sprachlichen Möglichkeiten. Im Unterrichtsgespräch sollte Zeit für die verschiedenen Beiträge eingeräumt werden. Zugewandtes Zuhören und Eingehen auf Äußerungen können Sprechhemmungen mindern. Auch Sprechspiele, Lieder, Reime und rhythmisches Sprechen haben durchweg sprachfördernde Wirkung. Ohne dass die Sprachförderung der dominante Gegenstand ist, sind diese und andere Möglichkeiten in jedem Unterricht einsetzbar und können gleichzeitig z.B. ein größeres Verständnis der Inhalte unterstützen.
Einige Sozialformen ermöglichen einen hohen Sprechanteil eines jeden Schülers, vermindern Sprechhemmungen und erhöhen das Sprachvermögen: Stuhlkreis, Partner- und Gruppenarbeit.
Auch Rollenspiele und Theaterstücke haben sprachfördernde Wirkung.
Bestimmte Unterrichtsinhalte in verschiedenen Fächern führen zu einer intensiven Auseinandersetzung und Erweiterung der eigenen sprachlichen Kompetenzen. Dazu gehören kleine Vorträge, Referate oder Interviews.
Die Lehrkräfte der Grundschule Süderneuland sind bemüht, diese Erkenntnisse zur Sprachförderung zu berücksichtigen sowie verstärkt entsprechende Methoden und Sozialformen einzusetzen.

Kinder aus Migranten- und Aussiedlerfamilien haben Anspruch auf zusätzlichen Förderunterricht in „Deutsch als Zweitsprache“. Die Grundschule Süderneuland hat bislang einen sehr geringen Prozentsatz dieser Kinder. Für die Durchführung der Fördermaßnahmen gibt es zusätzliche Stundenkontingente, die zweckgebunden verwendet werden müssen.
Bislang haben wir solche Stunden für Einzelunterricht mit diesen Kindern genutzt, der parallel zum Klassenunterricht lief und in dem der Unterrichtsstoff im direkten Gespräch mit dem Kind aufgearbeitet wurde. Zur Zeit ist kein Kind, das diese Förderung benötigt, an der Schule.



Beschluss der Gesamtkonferenz vom 02.07.2008